Die sanierungsbedürftige Adenauerbrücke steht sinnbildlich für den Zustand des Esslinger Haushalts: tragfähig – aber nur noch im Grenzbereich. Was lange wie eine stabile Konstruktion wirkte, gerät ins Wanken. Am 20.02.2026 erreichte die Stadt eine weitere Mitteilung des Finanzamts: Die Gewerbesteuer für 2025 sinkt erneut – um weitere 24,4 Mio. Euro. Ursprünglich waren 94,7 Mio. Euro eingeplant, Ende Januar sprach man noch von 68,9 Mio. Euro. Nun liegen die tatsächlichen Erträge bei rund 44 Mio. Euro. Das ist kein Schönheitsfehler, das ist ein Einbruch.
Die Reaktion folgt dem klassischen Muster: Einstellungsstopp in der Verwaltung, neue Investitionen nur noch mit Fördermitteln oder aus Bundes-Sondervermögen, Steuererhöhungen im Nachtragshaushalt 2026/27 fest eingeplant, zusätzlich zu bereits beschlossenen Einsparungen von 25,7 Mio. Euro ein weiteres Konsolidierungspaket von jährlich fünf Mio. Euro. Sparen hier, Personal deckeln dort, ein kräftiger Schluck aus der Steuerpulle – das Altbewährte im Krisenmodus. Schönreden hilft nicht mehr. Die leeren Versprechungen der vergangenen Jahre holen uns nun ein.
Damit dürfte auch das sanierungsbedürftige Prestigeprojekt einer neuen Bücherei im Kögel endgültig auf dem Prüfstand stehen. Wenn jetzt rund 20 Mio Euro für den Kögel ausgegeben werden, dann ist bei der Finanzlage der Stadt absehbar, dass kein Geld mehr für die Renovierung des Pfleghofs vorhanden sein wird. Geschweige denn ein Museumsquartier entstehen wird. OB Klopfer hat bereits Ende Januar davon geredet, dass man im Pfleghof ja zunächst mal Pop Up-Kultur machen könne – was auch immer das sein mag, und in den 30er Jahren entscheiden könne, was mit dem Pfleghof passiert. Große Visionen sind legitim – aber sie brauchen eine solide Grundlage. Wenn diese fehlt, platzen Träume wie Seifenblasen.
Doch reines Kürzen wird nicht genügen. Die Linke hat früh darauf hingewiesen, dass strukturelle Einnahmen wichtiger sind als kurzfristige Erlöse. Wer kommunale Flächen mit Gewinnabsicht veräußert und die Erlöse konsumtiv nutzt, tauscht Substanz gegen Zeit.
Was sich ändern muss, ist die Grundrichtung. Esslingen braucht mehr eigene, dauerhafte Einnahmequellen. Dazu gehört ein konsequenter kommunaler Wohnungsbau in 100 % städtischer Hand – mit Flächen, die selbst bewirtschaftet werden, statt sie an Investoren zu vergeben. Mieten sichern langfristige Erträge, stabilisieren den Haushalt, schaffen sozialen Ausgleich und mindern Ausgaben.
Die Linke Esslingen steht für diesen Kurswechsel. Und Die Linke wird auch künftig darauf drängen, dass kommunales Eigentum nicht weiter veräußert, sondern als Grundlage nachhaltiger Stadtentwicklung genutzt wird.
Die Tragfähigkeit entscheidet sich nicht am Beton der Adenauerbrücke. Sie entscheidet sich daran, ob wir den Mut haben, Besitz in Wertschöpfung zu verwandeln – und aus Krisen strukturelle Stärke zu entwickeln.










