Wenn Wahlergebnisse nicht ins Bild passen

Fünf Wahlen hat Die Linke in diesem Jahr erlebt. Und die Ergebnisse erzählen eine andere Geschichte als manche Schlagzeile.

Baden-Württemberg: 4,4 Prozent – kein Einzug in den Landtag. Sachsen-Anhalt: 8,6 Prozent und acht Mandate. Niedersachsen: 6,0 Prozent bei den Kreiswahlen – mehr als doppelt so viel wie 2021. Mecklenburg-Vorpommern: 6,5 Prozent. Und Berlin: 25,7 Prozent, stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus.

Man muss diese Ergebnisse nicht gut finden. Aber man sollte sie ernst nehmen.

Statt über steigende Mieten, soziale Unsicherheit oder die Ursachen des Berliner Wahlergebnisses zu sprechen, dominieren plötzlich andere Schlagzeilen: Remmo. Antisemitismus. Extremismus.

Natürlich müssen Antisemitismus und organisierte Kriminalität konsequent bekämpft werden. Aber Demokratie verlangt auch Präzision. Die Anwesenheit eines Clanmitglieds auf einer öffentlichen Wahlfeier beweist noch keine politische Zusammenarbeit. Und Kritik an der Regierung Israels ist nicht automatisch Antisemitismus – ebenso wenig wie jüdisches Leben jemals für die Politik einer Regierung verantwortlich gemacht werden darf.

Vielleicht lohnt sich deshalb eine unbequemere Frage: Warum haben über ein Viertel der Berlinerinnen und Berliner Die Linke gewählt? Wegen der Mieten? Wegen sozialer Sicherheit? Aus Protest gegen die politische Mitte?

Wer diese Frage nicht stellt, ersetzt Analyse durch Etiketten.

Demokratie bedeutet schließlich nicht, dass uns jedes Wahlergebnis gefällt. Demokratie bedeutet, dass wir zuerst den Wählerwillen respektieren – und danach leidenschaftlich über den richtigen politischen Weg streiten.

Semesterstart: Zwischen Vorfreude und Sorge

Seit dieser Woche beginnt mit dem neuen Semester ein aufregender Lebensabschnitt für viele Studierende an der Hochschule Esslingen: neue Stadt, neue Menschen und der Start ins Studium. Doch für viele Studierende bedeutet der Semesterbeginn auch Wohnungssuche, steigende Kosten und die Frage, wie sich Miete, Lebensunterhalt und Studium finanzieren lassen.
Denn neben Vorlesungen und Prüfungen müssen viele Studierende arbeiten, um ihr Studium und ihren Alltag zu finanzieren. Gerade bezahlbarer Wohnraum ist dabei eine große Herausforderung. Auch beim BAföG besteht aus Sicht des Linken Reformbedarfs: Die finanzielle Unterstützung ist weiterhin an bestimmte Voraussetzungen und unter anderem an das Einkommen der Eltern geknüpft.
Im Juni 2026 beriet der Bundestag über einen Antrag der Linken mit dem Titel „Ein BAföG, von dem man leben und studieren kann“. Darin fordert die Fraktion unter anderem höherer, regelmäßig an die angepassten Inflationsfördersätze sowie einen regional gestaffelten Mietkostenzuschuss. Der Antrag wurde im Juli im zuständigen Ausschuss mehrheitlich abgelehnt.
Die Linke Esslingen hat den Semesterstart deshalb zum Anlass genommen, vor der Hochschule mit Studierenden ins Gespräch zu kommen. Bei einer Aktion wurden Schultüten mit Süßigkeiten, Stickern und Informationen an wichtige Veranstaltungs- und Beratungsangebote in Esslingen verteilt.
Dabei ging es auch um die Frage, wie Studierende selbst Einfluss auf ihre Lebens- und Studienbedingungen nehmen können. Die Linke Esslingen möchte den Austausch mit Studierenden über Themen wie Wohnen, BAföG, soziale Angebote und die Situation an der Hochschule auch zukünftig weiterführen.

3. Oktober – Gegen Hochrüstung, Wehrpflicht und Krieg

Ablauf der Kundgebung in Stuttgart

Ab 12:45 Uhr auf dem Schlossplatz Musik von Playtime (das „kleine Bluesorchester“). Dem folgt um 13 Uhr ein Videostatement der „Ulm 5“ (Palästina-AktivistInnen, die wegen Aktionen gegen israelischen Rüstungskonzerns Elbit System angeklagt sind). Dann gib es Musik von Toba Borke (Freestyle-Rapper), bevor Ronja Fröhlich (Nein zur Wehrpflicht) und Leo (Schulstreikkomitee Weinheim) sprechen. Ihnen folgen Michael Quetting (ver.di Saar-Blies zu Kriegsvorbereitung im Gesundheitswesen) und mit einem Video-Grußwort Margot Käßmann (ehem. EKD-Ratsvorsitzende). Weitere Grußworte sind von Sophie Bolt (Generalsekretärin der Campaign for Nuclear Disarmament in Großbritannien) und von Klaus Zwickel (ehemaliger Vorsitzender der IG Metall) vorgesehen. Dann gibt es Reden von Özlem Demirel (Stellv. Parteivorsitzende Die Linke, MdEP, EU-Aufrüstung) und von Paul Schobel (pax christi, Betriebsseelsorger, Autor).

Im Anschluss gibt es eine große Demonstration quer durch Stuttgart.

Auf der Abschlusskundgebung sprechen Sevim Dagdelen (BSW, Journalistin, bis 2025 MdB), Jules El Khatib (Deutsch-Palästinensische Gesellschaft) und Mark Ellmann (DKP-Parteivorstand, Friedenskommission, aktiv in der GEW zu Kapitalismus und Krieg). Vorgesehen ist ein Video-Grußwort des Journalisten Hüseyin Dogru sowie Musik von Reinhard Frankl.

 
 
 

 

Gelber Sack, rote Zahlen?

Müll kann lukrativ sein; Foto KI-generiert

Unser gelber Sack wurde wieder einmal nicht abgeholt. Ärgerlich? Ja. Aber vielleicht ist das eigentliche Problem größer als ein liegengebliebener Müllsack. Mit Abfall wird in Deutschland richtig Geld verdient. Die Kreislaufwirtschaft erwirtschaftet inzwischen einen Jahresumsatz von über 100 Milliarden Euro. Müll ist längst kein Abfall mehr, sondern ein Rohstoff – und ein Geschäft. „Gelber Sack, rote Zahlen?“ weiterlesen

Auf nach Stuttgart!

Auf nach Stuttgart!
Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Bitter für die Linke: Noch im Sommer bei 13–14 % Umfragewerten, ließ sie am Wahltag mit 8,6% spürbar Federn – auch weil Kampagnen wie Campact gezielt zur strategischen Stimme für SPD (9,3 %) und Grüne (8,9%) aufriefen. Die Linke blieb hinter den Erwartungen zurück, dennoch die einzige Partei, die – vom Wahlsieger abgesehen – mit Direktmandaten in drei Wahlkreisen aufwarten kann. „Auf nach Stuttgart!“ weiterlesen

Wieder mal 11. September

Kundgebung 2025 in Esslingen; Foto: privat

Traditionell stehen an diesem Datum zwei Dinge im Fokus: Der Anschlag auf das World Trade Center in New York und der daraus folgende Überfall der USA auf Afghanistan – und eine große Anzahl geflüchtete Menschen aus dieser Region. Und es ist der „Tag der von Obdachlosigkeit betroffenen Menschen“, jener, die man im Vorbeigehen schlafend in Kartons sieht, Hauseingängen und auf Lüftungsschächten.
Man kann auch sagen: „Wir leben in einem Land, in dem es den Reichen zu gut und den Armen zu schlecht geht.“ Zugeschrieben wird es so oder ähnlich Christoph Butterwegge, und der muss es als Armutsforscher ja wissen. „Wieder mal 11. September“ weiterlesen

„Wanderer, kommst du nach Spa(rta),

verkündige dort: Du habest uns hier liegen sehen, das Schwert in der Hand, wie es das Gesetz befahl.“ Ist das wirklich noch zeitgemäß, in einem immer kleiner werdenden globalen Dorf, in dem der hier pfandfrei weggeworfene Joghurtbecher, so er nicht thermisch verwertet wird, in einem asiatischen oder afrikanischen Dorf endet oder wieder und wieder an die Küste gespült wird?

… wann wird man je verstehn? Kriegsgräber in Verdun; Foto privat

Wir finden: Nein! Schon im Frieden verursachen die Armeen dieser Welt 5,5 % aller globalen Emissionen. Wäre das Militär ein Staat, läge es auf Platz vier, noch vor Russland. Das ist nur der Sockel: Jeder geführte Krieg schlägt oben drauf. Von den Aktionären der Rüstungskonzerne abgesehen hat davon wirklich niemand etwas. „„Wanderer, kommst du nach Spa(rta),“ weiterlesen